Wer im Münchner Westen wohnt, kennt die Schlagzeilen über Taschendiebe am Pasinger Bahnhof, Fahrradklau rund um den Laimer Bahnhof oder Einbruchsserien in den Reihenhausvierteln von Obermenzing.[7] Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?
Wir haben die Auswertung "Straftaten in den Stadtbezirken 2024" des Statistischen Amts München auf Basis der Daten des Polizeipräsidiums München[1] ausgewertet und zeigen, wie sicher die westlichen Stadtbezirke Pasing-Obermenzing, Laim, Aubing-Lochhausen-Langwied, Allach-Untermenzing und Hadern im Vergleich zum Rest der Stadt sind, wo die meisten Straftaten registriert werden und wie sich die Lage gegenüber 2022 entwickelt hat.
Was meinen wir mit "München-West"?
München-West ist keine amtliche Verwaltungseinheit. Die Stadt ist in 25 Stadtbezirke gegliedert.[6] Wir fassen unter München-West die fünf klassischen Westbezirke zusammen: Pasing-Obermenzing (21), Laim (25), Aubing-Lochhausen-Langwied (22), Allach-Untermenzing (23) und Hadern (20). Wo es passt, ordnen wir auch angrenzende Bezirke wie Sendling-Westpark und Neuhausen-Nymphenburg ein. Alle Fallzahlen stammen aus der amtlichen Stadtbezirks-Statistik, die Werte pro 100.000 Einwohner haben wir mit den Bevölkerungszahlen zum 31.12.2024 selbst berechnet.[4]
- Wie viele Straftaten gab es 2024 im Münchner Westen?
- Der Westen im Vergleich: So sicher sind die Bezirke gegenüber dem Rest Münchens
- Straftaten je 100.000 Einwohner in den Westbezirken
- Die häufigsten Delikte im Münchner Westen
- Kriminalität im Zeitverlauf: Westen 2022 gegen 2024
- Wer sind die Tatverdächtigen in München?
- Häufige Fragen zur Kriminalität im Münchner Westen
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2024 im Münchner Westen?
2024 hat die Polizei in den fünf Westbezirken zusammen 9.451 Straftaten[1] erfasst, die sich einem Stadtbezirk zuordnen ließen. Verteilt auf rund 287.800 Einwohner ergibt das eine Häufigkeitszahl von etwa 3.280 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Das ist ein wichtiger Wert: er rechnet die Bevölkerungsgröße heraus und macht Bezirke unterschiedlicher Größe erst vergleichbar.
Zur Einordnung: Für das gesamte Stadtgebiet München lag die Häufigkeitszahl 2024 nach Angaben des Polizeipräsidiums bei rund 5.336 Straftaten je 100.000 Einwohner.[2] Der Münchner Westen liegt also klar unter dem Stadtschnitt. München bleibt damit zum 49. Mal in Folge die sicherste Millionenstadt Deutschlands.[2]
Wie sind die Zahlen pro 100.000 Einwohner zu lesen?
Die Häufigkeitszahl ist die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Eine reine Fallzahl sagt für sich allein wenig aus: ein großer Bezirk mit vielen Straftaten kann pro Kopf trotzdem sicherer sein als ein kleiner Bezirk mit weniger Vorfällen. Wir berechnen die Häufigkeitszahl hier aus der amtlichen Fallzahl und der Einwohnerzahl zum 31.12.2024, weil das Statistische Amt sie nicht je Bezirk ausweist.
Der Westen im Vergleich: So sicher sind die Bezirke gegenüber dem Rest Münchens
Ordnet man alle 25 Münchner Stadtbezirke nach Straftaten pro 100.000 Einwohner, landen die Westbezirke durchweg im sichereren Teil der Tabelle. Hadern ist 2024 mit rund 2.564 Straftaten je 100.000 Einwohner der sicherste Stadtbezirk Münchens überhaupt. Die folgende Auswahl zeigt die Spannweite vom belastetsten bis zum sichersten Bezirk und ordnet die fünf Westbezirke ein.
| Rang | Stadtbezirk | Straftaten je 100.000 Einwohner (2024) |
|---|---|---|
| 1 | Altstadt-Lehel | 35.993 |
| 2 | Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt | 20.255 |
| 3 | Schwabing-Freimann | 10.410 |
| 5 | Au-Haidhausen | 5.504 |
| • | Stadtgebiet München (Schnitt) | 5.336 |
| 14 | Pasing-Obermenzing | 3.995 |
| 15 | Laim | 3.668 |
| 17 | Neuhausen-Nymphenburg | 3.467 |
| 21 | Allach-Untermenzing | 2.934 |
| 23 | Aubing-Lochhausen-Langwied | 2.788 |
| 25 | Hadern (sicherster Bezirk) | 2.564 |
Der Spitzenwert von Altstadt-Lehel täuscht ein wenig: in der Innenstadt halten sich tagsüber sehr viel mehr Menschen auf, als dort gemeldet sind, deshalb fällt die auf die Wohnbevölkerung gerechnete Häufigkeitszahl extrem hoch aus. Für die Wohnviertel im Westen gilt dieser Verzerrungseffekt kaum, weshalb die niedrigen Werte dort die gefühlte Sicherheit gut treffen.
Straftaten je 100.000 Einwohner in den Westbezirken
Innerhalb des Westens gibt es ein klares Gefälle: die städtisch geprägten Bezirke entlang der großen Verkehrsachsen liegen vorn, die ruhigen Villen- und Reihenhausviertel am Stadtrand bilden das Schlusslicht.
Straftaten je 100.000 Einwohner in den fünf Westbezirken 2024. Eigene Berechnung aus Fallzahlen (Statistisches Amt München) und Einwohnerzahlen zum 31.12.2024.
Pasing-Obermenzing führt das interne Ranking mit rund 3.995 Straftaten je 100.000 Einwohner an. Das hat mit der Lage zu tun: Pasing ist mit Bahnhof, Pasing Arcaden, Fußgängerzone und dichten Geschäftsstraßen der wichtigste Verkehrs- und Einkaufsknoten im Münchner Westen, und an solchen Orten werden Ladendiebstahl, Taschendiebstahl und Körperverletzung am häufigsten registriert. Laim folgt mit rund 3.668, ebenfalls ein dicht besiedelter Bezirk mit großem Bahnknoten.
Am ruhigsten ist Hadern mit rund 2.564 Straftaten je 100.000 Einwohner, dicht gefolgt von Aubing-Lochhausen-Langwied (2.788) und Allach-Untermenzing (2.934). Diese drei Bezirke sind überwiegend von Wohnbebauung, Einfamilienhäusern und Grünflächen geprägt und liegen pro Kopf am unteren Ende ganz Münchens.
Die häufigsten Delikte im Münchner Westen
Wie überall in München macht Diebstahl auch im Westen den größten Anteil aus, gefolgt von Rohheitsdelikten wie Körperverletzung, Raub und Bedrohung. Die folgende Tabelle zeigt die amtlichen Fallzahlen 2024 für die fünf Westbezirke nach den Hauptgruppen der Polizeilichen Kriminalstatistik.[1]
| Stadtbezirk | Straftaten gesamt | Rohheitsdelikte / gegen pers. Freiheit | Diebstahl (einfach) | Diebstahl (schwer) | Sexualdelikte |
|---|---|---|---|---|---|
| Pasing-Obermenzing | 3.268 | 635 | 839 | 563 | 88 |
| Laim | 2.095 | 478 | 405 | 322 | 57 |
| Aubing-Lochhausen-Langwied | 1.701 | 446 | 306 | 216 | 41 |
| Hadern | 1.324 | 273 | 252 | 194 | 28 |
| Allach-Untermenzing | 1.063 | 219 | 191 | 241 | 18 |
Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:
- Diebstahl dominiert. Zählt man einfachen und schweren Diebstahl zusammen, ist in jedem Westbezirk rund jede dritte bis vierte registrierte Straftat ein Diebstahl. In Pasing-Obermenzing allein sind das 1.402 Fälle (839 einfacher plus 563 schwerer Diebstahl).
- Rohheitsdelikte sind die zweitgrößte Gruppe. Darunter fallen Körperverletzung, Raub, Nötigung und Bedrohung. Pasing-Obermenzing führt mit 635 Fällen, was zur hohen Tagesfrequenz rund um Bahnhof und Einkaufslagen passt.
- Sexualdelikte sind selten, aber vorhanden. Die Fallzahlen reichen von 18 in Allach-Untermenzing bis 88 in Pasing-Obermenzing. Stadtweit ist die Gewaltkriminalität 2024 um 2,5 Prozent gestiegen, mehr als drei Viertel davon waren gefährliche und schwere Körperverletzungen.[2]
- Wohnungseinbruch ist stadtweit rückläufig. Münchenweit wurden 2024 nur noch 878 Wohnungseinbrüche gezählt, ein Minus von rund 38 Prozent gegenüber 2015, und etwa jeder zweite Einbruch blieb im Versuch stecken.[2] Eine bezirksscharfe Einbruchszahl weist die Stadtbezirks-Statistik nicht gesondert aus.
Kriminalität im Zeitverlauf: Westen 2022 gegen 2024
Eine lange Zeitreihe auf Bezirksebene veröffentlicht das Statistische Amt nicht, wohl aber jeweils eine Momentaufnahme pro Jahr. Der Vergleich der amtlichen Stadtbezirks-Tabellen 2022 und 2024[1] zeigt für den Westen ein gemischtes, insgesamt aber ruhiges Bild.
| Stadtbezirk | Fälle 2022 | Fälle 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Pasing-Obermenzing | 2.951 | 3.268 | +10,7 % |
| Laim | 2.202 | 2.095 | -4,9 % |
| Aubing-Lochhausen-Langwied | 1.629 | 1.701 | +4,4 % |
| Allach-Untermenzing | 1.012 | 1.063 | +5,0 % |
| Hadern | 1.318 | 1.324 | +0,5 % |
| Westen gesamt | 9.112 | 9.451 | +3,7 % |
Über alle fünf Bezirke zusammen sind die Fallzahlen von 9.112 (2022) auf 9.451 (2024) gestiegen, ein Plus von rund 3,7 Prozent. Der größte Teil dieses Anstiegs entfällt auf Pasing-Obermenzing. Laim ist als einziger Westbezirk gegen den Trend gesunken. Da die Bevölkerung im Westen im selben Zeitraum gewachsen ist, fällt der Anstieg pro Kopf noch etwas milder aus als die reinen Fallzahlen vermuten lassen.
Wer sind die Tatverdächtigen in München?
Hinweis zur Datenebene
Tatverdächtigen-Merkmale wie Staatsangehörigkeit oder Alter veröffentlicht das Statistische Amt nicht je Stadtbezirk. Die folgenden Angaben gelten für das gesamte Stadtgebiet München und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Westen übertragen.
München bleibt im bundesweiten Vergleich auffällig sicher. Die Aufklärungsquote lag 2024 stadtweit bei 60,3 Prozent (2023: 62,2 Prozent)[2], ein Spitzenwert unter den deutschen Großstädten. Bei den Rauschgiftdelikten gab es 2024 einen deutlichen Rückgang um 8,2 Prozent auf 6.042 Fälle, vor allem getrieben durch weniger Cannabis-Fälle nach der Teil-Legalisierung.[2]
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[5] Eine spätere Verurteilung ist damit nicht ausgesprochen, bis zum Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
- Nicht alle Straftaten lassen sich einem Bezirk zuordnen. Die Stadtbezirks-Tabelle enthält nur die Fälle, die einem konkreten Stadtbezirk zugewiesen werden konnten.[1] Stadtweit liegt die Gesamtzahl daher höher als die Summe der Bezirke.
- Tagesbevölkerung verzerrt Innenstadtwerte. Bezirke mit vielen Pendlern, Touristen und Einkaufsverkehr wie die Altstadt erscheinen pro gemeldetem Einwohner extrem belastet, ohne dass die dort Wohnenden entsprechend gefährdet wären.
- Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnviertel und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität im Münchner Westen
Welcher Stadtbezirk im Münchner Westen gilt als sicherster?
Hadern ist 2024 mit rund 2.564 Straftaten pro 100.000 Einwohner nicht nur der sicherste Westbezirk, sondern der sicherste Stadtbezirk in ganz München. Auch absolut ist die Fallzahl mit 1.324 niedrig, nur Allach-Untermenzing kommt mit 1.063 Fällen noch tiefer, liegt wegen seiner kleineren Einwohnerzahl pro Kopf aber etwas höher.
Welcher Westbezirk hat die höchste Kriminalitätsrate?
Pasing-Obermenzing führt den Westen 2024 mit rund 3.995 Straftaten pro 100.000 Einwohner an, gefolgt von Laim (3.668). Bei der absoluten Fallzahl liegt Pasing-Obermenzing mit 3.268 Fällen ebenfalls vorn. Der Grund ist die Bündelung von Bahnhof, Einkaufszentrum und Geschäftsstraßen.
Wie sicher ist der Münchner Westen im Vergleich zur übrigen Stadt?
Sehr sicher. Mit rund 3.280 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt der Westen deutlich unter dem Stadtschnitt von rund 5.336. Alle fünf Westbezirke rangieren in der unteren Hälfte der 25 Münchner Stadtbezirke, drei davon (Hadern, Aubing-Lochhausen-Langwied, Allach-Untermenzing) sogar ganz am sicheren Ende.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in München?
Eine bezirksscharfe Aufklärungsquote weist die Statistik nicht aus. Stadtweit lag sie 2024 bei 60,3 Prozent, nach 62,2 Prozent im Vorjahr. Damit gehört München zu den deutschen Großstädten mit der höchsten Aufklärungsquote.
Wie hat sich die Kriminalität im Westen zuletzt entwickelt?
Zwischen 2022 und 2024 sind die Fallzahlen in den fünf Westbezirken zusammen um rund 3,7 Prozent gestiegen, von 9.112 auf 9.451 Fälle. Der Anstieg konzentriert sich auf Pasing-Obermenzing, während Laim leicht zurückging. Gemessen an der wachsenden Einwohnerzahl bleibt das Niveau insgesamt niedrig.