Der Münchner Westen ist kein einzelner Stadtbezirk, sondern ein eigener Landstrich der Stadt: vom dichten Gründerzeitviertel Neuhausen über das vornehme Nymphenburg und das eigenständige Subzentrum Pasing bis zu fast ländlichen Dörfern wie Lochhausen und Langwied am Stadtrand.
Verwaltungstechnisch verteilt sich der Westen auf mehrere Stadtbezirke, vor allem Neuhausen-Nymphenburg (Bezirk 9), Laim (25), Pasing-Obermenzing (21), Aubing-Lochhausen-Langwied (22) und Allach-Untermenzing (23). Wir stellen die elf prägenden Stadtteile des Westens vor, grob geordnet von den dichten, innenstadtnahen Vierteln im Osten bis zu den dörflichen Lagen am westlichen Stadtrand.
1. Neuhausen
- Bezirk: Neuhausen-Nymphenburg (Stadtbezirk 9)
- Eingemeindung: 1890
- Lage: Westlich der Bahnstrecke zum Hauptbahnhof
- Mittelpunkt: Rotkreuzplatz
- Charakter: Dichte Gründerzeitviertel, beliebtes Wohnquartier
Neuhausen ist der bevölkerungsstarke östliche Teil des Stadtbezirks Neuhausen-Nymphenburg und eines der gefragtesten Wohnviertel im Münchner Westen. Der Stadtteil wurde 1890 nach München eingemeindet3 und ist heute von geschlossener, dichter Blockbebauung aus der Gründerzeit geprägt.
Funktionaler Mittelpunkt ist der Rotkreuzplatz mit Tram, U-Bahn (U1) und einer lebendigen Geschäftslage. Rund um die Winthirstraße liegt der historische Ortskern mit der Winthirkirche. Wer mehr über die Anfänge des Viertels wissen will, findet im Beitrag zur Geschichte des Münchner Westens die längere Linie von der Vorstadt zum Szeneviertel.
Geschätzt wird Neuhausen für die Mischung aus Altbau, Cafés, kurzen Wegen und Grün: Der Rotkreuzplatz, die Nymphenburger Straße und die Nähe zum Hirschgarten machen den Stadtteil zu einem der teuersten Pflaster im Westen. Mehr dazu im Mietspiegel für den Münchner Westen.
2. Nymphenburg
- Bezirk: Neuhausen-Nymphenburg (Stadtbezirk 9)
- Eingemeindung: 1899
- Lage: Rund um Schloss und Schlosspark Nymphenburg
- Highlights: Schloss Nymphenburg, Botanischer Garten, Villenkolonie Gern
- Charakter: Repräsentativ, gehoben, parkreich
Nymphenburg ist die noble Visitenkarte des Bezirks. Namensgeber ist das Schloss Nymphenburg, dessen Bau Kurfürst Ferdinand Maria 1664 begann und das seine Frau Henriette Adelaide von Savoyen nach der Geburt des Thronfolgers benannte.4
Nördlich des Schlossparks liegt der Botanische Garten München-Nymphenburg, 1914 an seinem heutigen Standort eröffnet, mit rund 21 Hektar Fläche und über 350.000 Besuchern im Jahr einer der bedeutendsten botanischen Gärten weltweit.4
Rund um den Schlosskanal entstand ab dem späten 19. Jahrhundert die Villenkolonie Gern mit zahlreichen Jugendstilbauten, etwa am Neuwittelsbacher Rondell. Bis ins 19. Jahrhundert waren Nymphenburg und Gern ländlich geprägt, 1899 wurden sie samt Hirschgarten eingemeindet.4 Heute zählt Nymphenburg zu den teuersten und ruhigsten Wohnlagen Münchens. Weitere Ziele listet der Überblick zu den Sehenswürdigkeiten im Münchner Westen.
3. Pasing
- Bezirk: Pasing-Obermenzing (Stadtbezirk 21)
- Eingemeindung: 1938
- Lage: Westliches Zentrum, an der Würm
- Highlights: Bahnhof Pasing (ICE-Halt), Pasinger Stadtpark, Mariä Geburt
- Charakter: Eigenständiges Subzentrum, gemischte Sozialstruktur
Pasing ist das eigentliche Zentrum des Münchner Westens. Erstmals 763 als "villa Pasingas" erwähnt, wurde Pasing 1905 zur Stadt erhoben und 1938 nach München eingemeindet.2 Bis heute hat sich der Ort sein Profil als eigenständiges Subzentrum bewahrt.
Verkehrlicher Anker ist der Bahnhof München-Pasing, ein ICE-Halt und nach dem Hauptbahnhof einer der wichtigsten Bahnknoten der Stadt, an dem Fern-, Regional- und mehrere S-Bahn-Linien zusammenkommen. Rund um die Pasinger Bahnhofstraße und das Pasing Arcaden liegt die Hauptgeschäftslage.
Prägend sind außerdem die Pfarrkirche Mariä Geburt, der Pasinger Stadtpark an der Würm und mehrere Villenkolonien. Sozial ist Pasing gemischt, vom gediegenen Villenviertel bis zum dichten Mietshausquartier. Wer ein Geschäft sucht, wird oft hier fündig, etwa bei den Cafés im Münchner Westen.
4. Laim
- Bezirk: Laim (Stadtbezirk 25)
- Eingemeindung: 1900
- Lage: Zwischen Neuhausen, Pasing und dem Westpark
- Highlights: Laimer Anger, St. Ulrich, S-Bahnhof Hirschgarten
- Charakter: Fast reines Wohnviertel, ruhig und zentral
Laim liegt zentral zwischen Neuhausen-Nymphenburg, Pasing und Sendling-Westpark und ist heute fast ausschließlich Wohngebiet.5 Die einst selbständige Landgemeinde wurde am 1. Januar 1900 eingemeindet, nachdem der 1892 eröffnete Rangierbahnhof rasches Wachstum ausgelöst hatte.5
Vom Dorf über das Arbeiterviertel der Bahnzeit zum begehrten Wohnstandort: Nach Schließung des Güterbahnhofs in den 1990er-Jahren wandelte sich Laim endgültig zum reinen Wohnquartier. Ältestes Bauwerk ist die Kirche St. Ulrich (etwa 11. Jahrhundert), dazu kommt die Paul-Gerhardt-Kirche der 1950er-Jahre.5
Der historische Ortskern Laimer Anger wurde im Jahr 2000 saniert, der S-Bahnhof Hirschgarten bindet das Viertel an die Stammstrecke an.5 Laim gilt als ruhig, gut angebunden und vergleichsweise erschwinglich, ein Argument, das auch der Überblick zu den Lebenshaltungskosten im Münchner Westen aufgreift.
5. Obermenzing
- Bezirk: Pasing-Obermenzing (Stadtbezirk 21)
- Eingemeindung: 1938
- Lage: Nordwesten, an der Würm
- Highlights: Schloss Blutenburg, Pfarrkirche St. Georg
- Charakter: Gehobenes, grünes Einfamilienhausviertel
Obermenzing, seit 817 als "Menzinga" bezeugt, wurde im Dezember 1938 nach München eingemeindet.2 Der Stadtteil bildet zusammen mit Pasing seit 1992 den Stadtbezirk 21.
Obermenzing ist gehoben und grün geprägt, mit großzügigen Einfamilienhausgebieten und Villenlagen. Historischer Glanzpunkt ist das Schloss Blutenburg an der Würm, heute Sitz der Internationalen Jugendbibliothek, dazu die alte Pfarrkirche St. Georg.2
Mit der Würm, dem Schlosspark Blutenburg und ausgedehnten Grünzügen zählt Obermenzing zu den ruhigsten Wohnlagen des Westens. Die Verkehrsanbindung erfolgt vor allem über die A8 und Buslinien sowie den nahen Bahnhof Pasing.
6. Aubing
- Bezirk: Aubing-Lochhausen-Langwied (Stadtbezirk 22)
- Eingemeindung: 1942
- Lage: Westrand der Stadt
- Highlights: Aubinger Lohe, S-Bahnhof Aubing
- Charakter: Dörflicher Kern plus Großsiedlung Neuaubing
Aubing ist der bevölkerungsstärkste Teil des großflächigen, aber dünn besiedelten Stadtbezirks 22 am westlichen Stadtrand.6 Der Stadtteil gliedert sich in den alten Ortskern Aubing-Ost und das jüngere Neuaubing.
Rund um den historischen Dorfkern hat sich der ländliche Charakter teilweise erhalten, daneben prägen Wohnsiedlungen und der Freizeitpark Aubing-Ost das Bild. Im Norden liegt der Wald Aubinger Lohe.6
Verkehrlich ist Aubing über die S-Bahn-Linie S4 (Stationen Aubing und Leienfelsstraße) Richtung Geltendorf angebunden.6 Für den Alltag versorgen Geschäfte entlang der Limesstraße den Stadtteil, von der Bäckerei bis zum Supermarkt, eine Auswahl bündelt die Übersicht der Bäckereien im Münchner Westen.
7. Untermenzing
- Bezirk: Allach-Untermenzing (Stadtbezirk 23)
- Eingemeindung: 1938
- Lage: Nordwesten, entlang der Würm
- Highlights: Würmauen, gartenstadtartige Bebauung
- Charakter: Ländlich anmutend, grün, locker bebaut
Untermenzing, erstmals um 1315 als eigenständige Siedlung fassbar, wurde am 1. Dezember 1938 eingemeindet und bildet seit 1992 mit Allach den Stadtbezirk 23.7 Der Stadtteil liegt im äußersten Nordwesten der Stadt und zieht sich entlang der Würm.
Untermenzing hat sich Reste eines dörflichen Erscheinungsbildes bewahrt und ist gartenstadtartig, locker und grün bebaut.7 Die Würmauen und nahe Naturräume wie die Angerlohe machen das Viertel zu einer ruhigen, familienfreundlichen Wohnlage.
Angebunden ist Untermenzing über die S-Bahn-Linie S2 (Station Untermenzing) sowie seit 2019 über die Expressbuslinie X80.7
8. Allach
- Bezirk: Allach-Untermenzing (Stadtbezirk 23)
- Eingemeindung: 1938
- Lage: Äußerster Nordwesten, an der Stadtgrenze zu Karlsfeld
- Highlights: St. Peter und Paul, Allacher Forst
- Charakter: Wohnen und großer Industriestandort
Allach ist erstmals 774 urkundlich belegt und wurde 1938 nach München eingemeindet.7 Der Stadtteil liegt am äußersten Nordwestrand der Stadt und grenzt an die Gemeinde Karlsfeld.
Allach ist zweigeteilt: Im Westen prägen Wohngebiete mit gartenstädtischem Charakter und der historische Dorfkern um die Pfarrkirche St. Peter und Paul das Bild, im Osten dominiert einer der größten Industriestandorte Münchens.7
Große Arbeitgeber wie MAN, MTU Aero Engines, Krauss-Maffei und Siemens Mobility stellen zusammen über drei Viertel der rund 25.000 Arbeitsplätze im Stadtbezirk.7 Erholung bieten der Allacher Forst und das Naturschutzgebiet Angerlohe. Die S-Bahn-Linie S2 hält am Bahnhof Allach.
9. Neuaubing
- Bezirk: Aubing-Lochhausen-Langwied (Stadtbezirk 22)
- Lage: Südlicher Teil von Aubing, am Westkreuz
- Highlights: Sozialer Brennpunkt im Wandel, Nähe Freiham
- Charakter: Großsiedlung, Stadterneuerungsgebiet
Neuaubing ist der jüngere, südliche Teil des Stadtteils Aubing und bildet zusammen mit dem Bereich Westkreuz das statistische Gebiet Neuaubing-Westkreuz.6 Geprägt wird das Viertel von Wohnsiedlungen unterschiedlicher Bauepochen, darunter größere Geschosswohnungsbauten.
Neuaubing-Westkreuz ist seit Jahren Schwerpunkt der städtischen Stadterneuerung. Mit dem benachbarten neuen Stadtteil Freiham im Süden rückt das Gebiet verkehrlich und sozial weiter zusammen.6
Die S-Bahn-Station Westkreuz und die Nähe zur neuen Station Freiham binden Neuaubing an das Netz an. Wie sich Sicherheit und Lebensqualität in den westlichen Vierteln entwickeln, ordnet der Beitrag zur Kriminalität im Münchner Westen ein.
10. Lochhausen
- Bezirk: Aubing-Lochhausen-Langwied (Stadtbezirk 22)
- Lage: Nordwesten des Bezirks, an der Bahn nach Augsburg
- Highlights: Langwieder Seenplatte, dörflicher Kern
- Charakter: Ländlich, ruhig, viel Grün
Lochhausen liegt im Nordwesten des Stadtbezirks 22 an der Bahnstrecke München-Augsburg und hat seinen dörflichen, ländlichen Charakter weitgehend bewahrt.6
Naherholung bietet die nahe Langwieder Seenplatte mit ihren Badeseen, die zu den beliebtesten Ausflugszielen im Münchner Westen zählt.6 Zwischen Feldern, Kleingärten und Einfamilienhäusern ist Lochhausen eines der ruhigsten Viertel der Stadt.
Die S-Bahn-Linie S3 (Station Lochhausen) Richtung Mammendorf sorgt für die Anbindung an die Innenstadt.6
11. Langwied
- Bezirk: Aubing-Lochhausen-Langwied (Stadtbezirk 22)
- Lage: Äußerster Nordwesten, an der Langwieder Seenplatte
- Highlights: Langwieder See, Lußsee, Birkensee
- Charakter: Kleinster, ländlichster Stadtteil des Westens
Langwied ist der kleinste und ländlichste der drei namensgebenden Stadtteile des Bezirks 22 und liegt am äußersten Nordwestrand Münchens.6
Charakteristisch sind die ausgedehnten Grünflächen und vor allem die Langwieder Seenplatte mit Langwieder See, Lußsee und Birkensee, ein wichtiges Erholungsgebiet im Sommer.6
Verkehrlich teilt sich Langwied die S-Bahn-Anbindung mit Lochhausen über die Linie S3 auf der Strecke nach Augsburg.6
Ausblick: Wohin sich der Münchner Westen entwickelt
Das größte Zukunftsprojekt liegt im Südwesten. Östlich und nordöstlich des Guts Freiham entsteht mit Freiham ein komplett neuer Stadtteil, der einmal Zehntausenden Menschen Platz bieten soll, mit eigenem Bildungscampus und seit 2013 eigener S-Bahn-Station.6
In Neuaubing-Westkreuz läuft die soziale Stadterneuerung weiter, in Pasing verdichtet sich das Subzentrum rund um Bahnhof und Arcaden, und in den noblen Lagen von Nymphenburg und Obermenzing bleibt vor allem der Schutz von Grün und Villenstruktur das Dauerthema.
Wer den Westen wirklich kennenlernen will, kommt um einen Streifzug durch seine Stadtteile nicht herum. Jedes Viertel bringt seinen eigenen Charakter mit, vom Großstadtquartier bis zum Dorf am See. Zahlen und Trends dazu liefert die Übersicht zur Statistik des Münchner Westens.