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Nachrichten aus dem Münchner Westen
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München-West Geschichte: Von Bauerndörfern zum Nymphenburger Glanz

Fast tausend Jahre westlicher Stadtrand: von den Dörfern Laim und Menzing über das Barockschloss Nymphenburg und die Eisenbahn nach Pasing bis zur Neuen Mitte Pasing.

Von Gunnar Brandt | 19. Juni 2026
München-West Geschichte: Von Bauerndörfern zum Nymphenburger Glanz © Foto: Cmcmcm1 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Die Walcker-Orgel in Mariä Geburt in Pasing.

Wer den Münchner Westen für eine reine Wohngegend hält, übersieht, dass hier die ältere Geschichte liegt als in der Innenstadt. Die Dörfer Laim und Menzing sind urkundlich älter als die Stadtgründung Münchens von 1158, und in Nymphenburg steht eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas.

München-West ist kein gewachsener Bezirk mit einem Zentrum, sondern ein Verbund mehrerer Stadtteile: Neuhausen-Nymphenburg, Pasing-Obermenzing und Laim. Jeder dieser Stadtteile war einmal eigenständig, jeder wurde zu unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen Vorzeichen Teil Münchens. Diese Chronik führt vom mittelalterlichen Bauerndorf bis zur Neuen Mitte Pasing.

Was dich erwartet

Mittelalterliche Dörfer: Älter als München

Die Geschichte des Münchner Westens beginnt nicht mit einer Stadt, sondern mit Bauerndörfern entlang der Würm und an den alten Fernwegen Richtung Augsburg. Laim taucht zwischen 1047 und 1053 als "loco leima" in den Schäftlarner Urkunden auf, also mehr als hundert Jahre vor der Gründung Münchens.1

Neuhausen wird 1170 erstmals fassbar, als ein Rudolf von "Niwenhusen" seinen Besitz dem Kloster Schäftlarn übergab. Über Jahrhunderte blieb der Ort ein Dorf mit landwirtschaftlicher und handwerklicher Struktur westlich der Stadtmauer.2

Auch Menzing, später aufgeteilt in Ober- und Untermenzing, und Pasing an der Würm gehören zu den frühmittelalterlichen Siedlungen, die das spätere München umrahmten. Wer heute durch diese Stadtteile geht, bewegt sich auf einem der ältesten besiedelten Böden im Münchner Stadtgebiet.

Älter als die Stadt

Laim, Menzing und Pasing sind urkundlich älter als München selbst, das erst 1158 mit dem Marktprivileg Heinrichs des Löwen offiziell entstand. Der Westen war also schon besiedelt, als die Isarstadt noch gar nicht existierte.

1664: Schloss Nymphenburg verändert den Westen

Der entscheidende Bruch in der Geschichte des Westens kam mit dem Hof. 1662 wurde dem bayerischen Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen nach zehn Jahren Ehe endlich der ersehnte Thronfolger Max Emanuel geboren. Aus Dank schenkte der Kurfürst seiner Frau ein Sommerschloss vor den Toren der Stadt.3

1664 begann nach Plänen des norditalienischen Architekten Agostino Barelli der Bau des "Lusthauß Nymphenburg", zunächst ein wuchtiger würfelförmiger Pavillon. Um 1679 war diese erste Fassung weitgehend fertig. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Anlage zur weitläufigen Residenz mit Schlossrondell, Park und Lustschlössern wie der Amalienburg.4

Mit dem Schloss kamen Hofgärtner, Bedienstete und Handwerker. Die Schlossanlage und der zugehörige Kanal prägten die Topografie des Westens bis heute. Nymphenburg wurde aus einem höfischen Projekt zu einem eigenen Ortskern, der dem späteren Stadtbezirk seinen Namen gab.

1840: Die Eisenbahn erreicht Pasing

Im 19. Jahrhundert kam die Moderne über die Schiene in den Westen. Am 4. Oktober 1840 ging die Bahnstrecke München nach Augsburg vollständig in Betrieb, die zweite in Bayern gebaute Eisenbahnlinie und die erste große Hauptstrecke des Landes. Das damals noch ländliche Pasing erhielt einen Haltepunkt, der zunächst aus zwei hölzernen Hütten bestand.5

Am 21. Mai 1854 wurde der Haltepunkt mit der Eröffnung der Strecke nach Starnberg zum richtigen Bahnhof aufgewertet und erhielt ein gemauertes Empfangsgebäude nach Entwürfen von Friedrich Bürklein, dem Architekten des Münchner Hauptbahnhofs.6

Pasing wurde damit zum westlichen Eisenbahnknoten vor München. Die Bahn brachte Arbeit, Zuzug und Industrie. Wer die heutige Bedeutung des Pasinger Bahnhofs als einen der wichtigsten Münchner Verkehrsknoten verstehen will, muss bis zu diesen zwei Holzhütten von 1840 zurückgehen.

1890 bis 1900: Neuhausen, Nymphenburg und Laim werden Stadt

Die Industrialisierung ließ die Dörfer im Westen explodieren. Neuhausen zählte 1890, im Jahr seiner Eingemeindung nach München, bereits rund 11.500 Einwohner und befand sich in wirtschaftlicher Blüte.7 Nymphenburg folgte 1899.

Laim und der Rangierbahnhof

Besonders rasant verlief der Wandel in Laim. 1890 hatte das Dorf nur etwa 290 Einwohner. Mit dem Bau des Laimer Güter- und Rangierbahnhofs 1890 bis 1892 kam Arbeit und damit Zuzug: Das Personal siedelte sich vor Ort an, die Bevölkerung verzehnfachte sich bis 1901.8

Am 1. Januar 1900 wurde Laim mit damals 2.612 Einwohnern nach München eingemeindet. Hauptgrund aus Sicht der Stadt war der lukrative Bahnhof. Die kleinen Dörfer im Westen wurden so binnen weniger Jahre zu städtischen Wohnquartieren, ein Muster, das sich an der heutigen Bevölkerungsstruktur noch ablesen lässt, wie unsere Übersicht zu den Einwohnern im Münchner Westen zeigt.

1905: Pasing wehrt sich und wird eigene Stadt

Während Neuhausen und Laim den Anschluss an München akzeptierten, ging Pasing einen eigenen Weg. Am 1. Januar 1905 wurde Pasing zur Stadt erhoben. Die Pasinger sahen darin ausdrücklich einen Schutz vor der drohenden Eingemeindung, die den Nachbarn Laim und Nymphenburg bereits "widerfahren" war.9

Die junge Stadt entwickelte schnell eigenes Selbstbewusstsein. Am 20. Juli 1908 verlieh das königliche Staatsministerium des Innern Pasing das Recht auf ein eigenes Stadtwappen, entworfen vom Heraldiker Otto Hupp. Am 16. Dezember 1908 wurde Pasing an das Münchner Trambahnnetz angeschlossen.10

"Mir san Pasinger"

Das Selbstverständnis Pasings als eigene Stadt hat bis heute Spuren hinterlassen. Pasing besitzt einen eigenen Viktualienmarkt und ein eigenes Rathaus, das lange Zeit als teilweise eigenständiges Verwaltungsamt geführt wurde.

Die 1920er: Borstei und das neue Wohnen

In den Jahren der Weimarer Republik wuchs der Westen weiter, vor allem als Wohngebiet. Das bekannteste Zeugnis dieser Zeit entstand zwischen 1924 und 1928 an der Dachauer Straße: die Borstei, eine denkmalgeschützte Wohnanlage des Bauunternehmers Bernhard Borst.11

Borst wollte die "Vorteile des Einfamilienhauses und die Annehmlichkeiten des Mietshauses" verbinden. Auf rund 70.000 Quadratmetern entstanden 778 Wohnungen, dazu Läden und ein Café, gruppiert um begrünte Höfe und Gärten. Die Borstei gilt bis heute als Musterbeispiel für sozial durchdachten Siedlungsbau der Zwischenkriegszeit.12

In dieselbe Epoche fällt das Wachstum Neuhausens und Laims zu dicht bebauten Wohnvierteln mit der charakteristischen Mischung aus Gründerzeitbauten und Siedlungsblöcken, die das heutige Straßenbild und auch den Mietspiegel im Münchner Westen prägt.

1938: Auch Pasing kommt zu München

Die Eigenständigkeit Pasings endete in der NS-Zeit. Am 8. Januar 1938 unterzeichnete der erste und einzige Pasinger Oberbürgermeister Alois Wunder die Eingemeindung nach München zum 1. April 1938.13

Wunder rang den nationalsozialistischen Machthabern in Verhandlungen einige Sonderrechte ab, die Pasing ein Stück Eigenart bewahrten, darunter der eigene Markt und das eigene Verwaltungsamt. Mit der Eingemeindung Pasings war der gesamte heutige Münchner Westen Teil der Landeshauptstadt.14

Damit war ein Prozess abgeschlossen, der ein halbes Jahrhundert gedauert hatte: Aus selbstständigen Dörfern und einer eigenen Stadt war ein zusammenhängender westlicher Stadtraum Münchens geworden.

NS-Zeit, Krieg und Zerstörung

Wie ganz München litt auch der Westen schwer unter dem Zweiten Weltkrieg. Ein britischer Luftangriff in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1943 beschädigte unter anderem die Badenburg und das damalige Deutsche Jagdmuseum im Park von Nymphenburg.15

Die Bombenangriffe trafen Wohnviertel, Bahnanlagen und Industrie. Der Laimer Rangierbahnhof und die Pasinger Bahnanlagen waren als Verkehrsknoten besonders gefährdet. Der letzte große Angriff auf München erfolgte am 25. April 1945, wenige Tage vor dem Einmarsch der US-Truppen.16

Schloss Nymphenburg selbst überstand den Krieg vergleichsweise glimpflich und gehört heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten im Münchner Westen. In den Wohnvierteln dagegen prägte der Wiederaufbau die Nachkriegsjahrzehnte.

Nachkriegszeit: Wiederaufbau, U-Bahn und Wachstum

Nach 1945 wurde der Westen wieder aufgebaut und verdichtet. Neuhausen-Nymphenburg entwickelte sich zu einem der größten und beliebtesten Wohnbezirke Münchens, mit dem belebten Rotkreuzplatz als Zentrum, der seinen Namen bereits 1903 erhalten hatte.17

Mit dem Ausbau des Münchner Nahverkehrs ab den 1970er Jahren rückte der Westen näher an die Innenstadt. Die U-Bahn und der Ausbau der S-Bahn machten Pasing, Laim und Neuhausen zu gefragten Wohnlagen für Pendler, was den Zuzug und die Mietpreise weiter nach oben trieb.

Heute zählt Neuhausen-Nymphenburg rund 98.000 Einwohner und ist damit einer der bevölkerungsreichsten Stadtbezirke Münchens, Pasing-Obermenzing kommt auf etwa 81.000.18 Die Zahlen verschieben sich, wer den aktuellen Stand sucht, findet ihn in unserer Statistik zum Münchner Westen.

Heute und morgen: Neue Mitte Pasing und der Wandel der Bahnflächen

Der jüngste große Umbruch im Westen dreht sich erneut um den Verkehrsknoten Pasing. Am 15. März 2011 öffnete der erste Bauabschnitt der Pasing Arcaden, eines großen Einkaufs- und Wohnkomplexes direkt am Bahnhof, entworfen vom Münchner Büro Allmann Sattler Wappner.19

Die Arcaden sind Teil der "Neuen Mitte Pasing", einer umfassenden Neugestaltung des Bahnhofsumfelds. Das Projekt nimmt eine Schlüsselrolle im Entwicklungsgebiet "Zentrale Bahnflächen Hauptbahnhof, Laim, Pasing" ein, dem größten innerstädtischen Flächenpotenzial Münchens.20

Genau dieser Korridor entlang der Bahn zwischen Hauptbahnhof, Laim und Pasing soll in den kommenden Jahren tiefgreifend umgebaut werden. Auf frei werdenden Gleis- und Industrieflächen sind neue Wohn- und Arbeitsquartiere geplant, ein Vorhaben, das den Westen so stark verändern könnte wie zuletzt die Eisenbahn vor 180 Jahren.21

Dazu kommen Diskussionen um Nachverdichtung in Laim und Neuhausen, den Erhalt von Grün wie dem Hirschgarten und dem Nymphenburger Schlosspark sowie um bezahlbaren Wohnraum in einem Stadtraum, dessen Mieten zu den höchsten Münchens zählen.22

Drei Linien ziehen sich durch die Geschichte des Westens: die alten Dörfer an der Würm, der höfische Glanz Nymphenburgs und der Verkehrsknoten an der Bahn. Alle drei wirken bis heute fort. Was sich nicht ändert, ist die Lage am westlichen Rand der Stadt, einst Bauernland, heute begehrter Wohnraum.

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